Birmingham – Ein Tag zwischen Industrie-Geschichte und Streetart

Europa, Reisen

Birmingham stand nicht auf unserer Must-see-Liste – ehrlich gesagt wussten wir nicht einmal so richtig, was uns dort erwartet. Aber manchmal sind es genau die Städte, auf die man nicht vorbereitet ist, die am meisten überraschen.

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Übersicht auf einen Blick

  • Reisezeit: ein Tag
  • Stadtteil: Innenstadt + Digbeth (Custard Factory)
  • Übernachtung: Travelodge außerhalb, 42 £ für uns alle zusammen
  • Highlights: Architektur-Mix, Library of Birmingham, Black Sabbath Bridge, Custard Factory mit ihren Murals
  • Tipp: Museum lieber zeitig am Tag planen – wir haben’s nur von außen gesehen

Von der Werkstatt der Welt zur kreativen Stadt

 

Bevor wir uns auf den Weg durch Birmingham machen, ein kurzer Blick zurück: Wer an Birmingham denkt, denkt meist an Rauch, Schrott und graue Backsteinindustrie. Und ganz falsch ist das nicht – aber es ist auch nur die halbe Wahrheit.

Schon im Mittelalter war Birmingham ein Marktort, der vor allem durch sein Bull Ring Marktgewühl bekannt wurde. So richtig groß wurde die Stadt aber mit der industriellen Revolution. Hier schmiedete man, hier drehte man, hier hämmerte man – Birmingham galt damals als „Workshop of the World“, die Werkstatt der Welt. Matthew Boulton und James Watt arbeiteten hier an ihren Dampfmaschinen, in der Schmuckschmiede-Ecke, dem Jewellery Quarter, entstanden unzählige Ringe und Uhren, und das Kanalnetz der Stadt wuchs so dicht, dass Birmingham angeblich mehr Kanäle als Venedig besitzt.

Heute ist von der puren Industrie-Idylle nicht mehr viel zu sehen. Die alten Fabrikgebäude stehen zum Großteil noch, aber sie wurden umgenutzt – als Kunsthallen, Cafés, Kulturzentren oder eben als bunte Creative Quarters. Genau dieser Mix aus historischem Backstein, moderner Glasarchitektur und dazwischen immer wieder Farbe und Kunst hat uns an diesem Tag besonders gut gefallen.

Start in der Innenstadt: Ein Schichtwechsel in Stein und Glas

 

  Wir kommen in der Innenstadt an und machen uns erst einmal zu Fuß auf den Weg. Zum Glück haben wir relativ zentral einen Parkplatz gefunden. Birmingham ist keine Stadt, die man auf den ersten Blick lieben muss – sie ist laut, voll, irgendwie zusammengewürfelt. Aber je länger man läuft, desto mehr fängt man an, sie zu mögen. 

Birmingham ist unglaublich divers – egal ob Menschen oder Architektur.

Besonders die Architektur ist ein ständiger Wechsel: Hier eine backsteinerne Fassade aus dem 19. Jahrhundert, dort ein gläserner Neubau, der sich spitz in den Himmel schiebt, und ein paar Schritte weiter eine alte Markthalle, die wie ein Relikt aus einer anderen Zeit wirkt. Nichts passt so richtig zusammen – und genau das macht den Reiz aus. Wer auf saubere, homogene Architektur hofft, ist hier falsch. Wer aber gerne Städte mag, in denen die Jahrhunderte nebeneinander stehen und sich gelegentlich streiten, ist hier richtig.

Ein Strand in Cancun. Um das Wasser zu erreichen mussten wir durch eine Hotelburg. Ansonsten hatten wir keine Chance das Wasser zu sehen.

Das Birmingham Museum – nur von außen

 

Einer unserer ersten Stops sollte eigentlich das Birmingham Museum & Art Gallery am Chamberlain Square sein. Pech: Es hatte zu, wir standen vor verschlossener Tür. Wenn man nur einen Tag Zeit hat, ist das ärgerlich, aber irgendwie gehört das zum Reisen dazu. Wir haben uns das Gebäude von außen angesehen, ein paar Fotos gemacht und sind weitergezogen.

Tipp für euch: Wenn das Museum für euch wichtig ist, checkt vorher die Öffnungszeiten und plant es eher auf den Vormittag. Im Innern warten unter anderem die Staffordshire Hoard – der größte angelsächsische Goldschatz, der je gefunden wurde – sowie eine beachtliche Sammlung der Präraffaeliten. Wir müssen halt nochmal wiederkommen.

Der Hauptplatz von Valladolid

Library of Birmingham: Ein Ring für Bücher

Die Bücherei von Birmingham ist so ein Gebäude, das man entweder mag oder hasst. Von außen ist es ein gold-schimmernder Kasten, der mit Ringen überzogen ist und irgendwie an ein Schmuckstück aus dem Jewellery Quarter erinnert. Von innen ist es dann ein offener, heller Raum, in dem man sich gerne länger aufhält.

Wir sind hochgefahren bis zur Aussichtsplattform auf dem Dach. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt – und sieht sehr gut, wie dicht und gleichzeitig durchmischt die Innenstadt ist. Unten liegt der Centenary Square, oben sieht man die Kirchtürme der Altstadt und ein Stück weiter draußen die alten Industriebauten von Digbeth. Ein guter Ort, um kurz innezuhalten und sich einen Überblick zu verschaffen.

Das Tragen von Schwimmwesten ist in der Suytun Cenote pflicht.
Suytun Cenote. Die bekannten Bilder zeigen den Lichteinfall genau auf dem Steg. Dies ist aber nur uin einer kurzen Zeit des Jahres so

Die Black Sabbath Bridge: Heavy Metal am Wasser

Wer jetzt denkt: „Black Sabbath? Eine Band, und dann noch eine Brücke?“ – ja, richtig. Die Brücke ist nach der Band benannt, die in Birmingham gegründet wurde, und gilt als eine Art Pilgerstätte für Metal-Fans. Hier gibt es die Handabdrücke der Bandmitglieder im Metall – so eine Art Walk of Fame, nur eben für Heavy Metal.

Wir sind nicht gerade die größten Metal-Fans, aber es ist trotzdem ein cooler Spot. Man steht über dem Wasser, drumherum ist eine Mischung aus Alt und Neu, und es passt einfach zu Birmingham: eine Stadt, die ihre eigene, raue, laute Geschichte ernst nimmt – auch wenn der Rest der Welt sie vielleicht nicht auf dem Schirm hat.

Das Tragen von Schwimmwesten ist in der Suytun Cenote pflicht.
Das Tragen von Schwimmwesten ist in der Suytun Cenote pflicht.

Custard Factory in Digbeth: Farbe, Kunst und Custard

Am Nachmittag sind wir nach Digbeth gefahren, ein bisschen außerhalb des Zentrums, und hier wurde es für uns der schönste Teil des Tages.

Die Custard Factory ist ein altes Fabrikgelände, auf dem früher der berühmte Bird’s Custard produziert wurde – ja, das gelbe Puddingpulver, das in Großbritannien zu jedem traditionellen Nachtisch dazugehört. Heute ist das Areal ein kreatives Zentrum: kleine Läden, Cafés, Galerien, Startups – und vor allem jede Menge Streetart.

Die Murals sind es, die uns am meisten begeistert haben. An jeder Ecke, an jeder Wand, selbst an Mülltonnen und Brandmauern, ist etwas gemalt. Große, farbstarke Bilder, manchmal politisch, manchmal abstrakt, manchmal einfach nur schön. Die Kunst atmet hier die Industrie – die Backsteinwände sind nicht übermalt, sondern ergänzt, und die alten Fabrikstrukturen geben den Bildern einen rauen Rahmen, den sie in einer reinen Galerie nie hätten.

Wer sich für Streetart interessiert, sollte sich hier ein paar Stunden Zeit nehmen. Einfach laufen, schauen, fotografieren, sich treiben lassen. Digbeth ist nicht die sauberste Ecke der Stadt, aber vielleicht gerade deshalb die interessanteste.

Das Tragen von Schwimmwesten ist in der Suytun Cenote pflicht.
Suytun Cenote. Die bekannten Bilder zeigen den Lichteinfall genau auf dem Steg. Dies ist aber nur uin einer kurzen Zeit des Jahres so

Architektur und Murals – was uns wirklich hängen geblieben ist

 

Wenn wir an unseren Tag in Birmingham zurückdenken, bleiben zwei Dinge: die Architektur und die Murals.

Die Architektur, weil sie so ehrlich ist. Birmingham hat nicht versucht, seine Industrie-Vergangenheit wegzumachen. Sie steht da, in Backstein und Schmiedeeisen, und neben ihr die neuen gläsernen Bauten. Nichts wirkt glattgebügelt, alles ist ein bisschen rau, ein bisschen wild – und genau deshalb sympathisch.

Die Murals, weil sie die Stadt lebendig machen. Birmingham ist eine graue Stadt, wenn man so will. Aber überall, wo man hinsieht, bricht Farbe durch. In Digbeth, aber auch in der Innenstadt, an Seitenstraßen und Brücken. Es ist eine Stadt, die sich selbst bemalt.

Das Tragen von Schwimmwesten ist in der Suytun Cenote pflicht.
Das Tragen von Schwimmwesten ist in der Suytun Cenote pflicht.

Unterkunft: 42 Pfund für uns alle – im Travelodge

Geschlafen haben wir nicht im Zentrum, sondern etwas außerhalb der Stadt in einem Travelodge Hostel . Kostete uns 42 Pfund – für uns alle zusammen. Ja, richtig gelesen: nicht pro Person, sondern für die ganze Truppe.

Travelodge ist die klassische britische Budget-Kette, was man vom Namen her erwartet, bekommt man auch: einfache, saubere Zimmer, alles da, was man braucht, keine Überraschungen, aber auch kein Charme. Wer ein paar Pfund sparen will und sowieso mit dem Auto unterwegs ist, für den ist das eine absolut sinnvolle Lösung.

Für uns war es genau richtig. Wir wollten eine Nacht bleiben, die Stadt ablaufen und am nächsten Morgen weiter. Da muss es kein Designerhotel sein. Und mit 42 Pfund für alle zusammen ist das ein Preis, der die Frage, ob sich ein Tag in Birmingham „lohnt“, schnell beantwortet: ja, durchaus. 

Unser Fazit

 

Birmingham ist keine Stadt, in die man sich auf den ersten Blick verliebt. Sie ist nicht malerisch, nicht historisch-verspielt, nicht typisch-englisch. Aber sie hat etwas anderes: Ecken. Kanten. Eine Geschichte, die man spürt, auch wenn die Fabriken längst stillstehen.

Ein Tag reicht, um einen ersten Eindruck zu kriegen – reicht aber nicht, um alles zu sehen. Wir haben das Museum verpasst, die Custard Factory nur angerissen, und von der berühmten Curry Mile in der Brick Lane-Ecke haben wir nur gehört. Birmingham, wir kommen wieder.

 

Praktische Infos

  • Library of Birmingham: Eintritt frei, Aussichtsplattform im 9. Stock
  • Black Sabbath Bridge: mitten im Zentrum, kostenlos
  • Custard Factory in Digbeth: kostenlos zugänglich, am besten zu Fuß erkunden
  • Birmingham Museum & Art Gallery: Öffnungszeiten vorher prüfen, wir hatten Pech
  • Übernachtung: Travelodge (wir waren im Travelodge Birmingham Maypole)
Ek Balam
Der aufstieg auf das höchste Gebäude war unglaublich anstrengen. Es kommt auf dem Bild nicht ansatzweise rüber wie steil es ist.
Von oben hat man einen grandiosen Ausblick über den Dschungel

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